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We go digital - Gegenwart und Zukunft der Weiterbildung

4 Fragen an Michael Schnellert

Michael Schnellert ist seit mehr als 20 Jahren als Trainer und Berater tätig. Gerade in den letzten Jahren setzte Michael Schnellert, zusammen mit seinem Kollegen-Netzwerk, verstärkt auf den Einsatz digitaler Methoden wie Webinare, Videos oder Digital Personal Coaching.

Hallo Herr Schnellert, wie wirkt sich die aktuelle Situation auf den Bildungsbereich aus?

Die aktuelle Corona Krise ist für viele Unternehmen der "unfreiwillige" Startschuss auf Ihrem Weg zur digitalen Transformation. Gut aufgestellt sind die Unternehmen, die bereits vor der Krise in Cloud Computing wie Microsoft 365 investiert haben und den Mitarbeitern mobile Geräte zur Verfügung gestellt haben. Andere Unternehmen starten erst jetzt, mitten in der Krise, und bestellen nun Notebooks für die Mitarbeiter.  

Ähnlich ist die Situation bei den Bildungsanbietern. Plötzlich bieten viele Unternehmen in der Bildungsbranche Ihre bisher rein Classroom-basierten Seminare als Webinare an. Aber auch hier entscheidet Erfahrung und pädagogisches Know How über den sicheren Erfolg.

Sind für Sie Webinare ein adäquater Ersatz für Präsenzschulungen?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich zuerst einmal die Begrifflichkeiten klären:
Ob on- oder offline, Seminare oder Webinare dienen in erster Linie der Vermittlung von standardisierten Kenntnisse und Fähigkeiten an größere Gruppen. Workshops, Training on the job und Coaching stellen die aktive Anwendung in der Praxis in den Vordergrund.

Auf YouTube finden Sie seit vielen Jahren zu fast jedem Thema Experten, die Ihr Wissen zur Verfügung stellen.
Aber würden Sie sich von einem Arzt operieren lassen,  der sein Wissen rein aus der Betrachtung von Lern-Videos geschöpft hat? Wohl kaum. Hier braucht es eine lange Zeit der Assistenz und angeleiteter Arbeit am realen Objekt, um den Transfer von theoretisch erworbenen Kenntnissen erfolgreich in die Praxis umzusetzen.

 

Meine Empfehlung lautet:
Ersetzen Sie die Fragestellung "entweder Classroom-Trainings oder Webinare" durch "sowohl als auch" und ergänzen Sie Webinare  mit Personal Coaching und Anwender-Helpdesk und Sie haben  einen idealen Methodenmix (Blended Learning), um den Wissenstransfer zu gewährleisten. 

Können Sie uns Ihre Vorstellung des optimalen Einsatzes der unterschiedlichen Lernmethoden an einem praktischen Fallbeispiel schildern?

Nehmen wir als Beispiel die Umstellung eines Unternehmens auf die Herausforderungen des digitalen Arbeitens im Home Office.

Live Webinare
Live Webinare bieten eine hervorragende Möglichkeit, spezifische Themen ortsunabhängig und live  zu präsentieren und zu vernetzten. Zur aktiven Teilnahme ist die Gruppengröße und das technische Equipment der Teilnehmer entscheidend.  An einem Notebook oder mit nur einem Monitor ist es fast unmöglich, Übungen im System gleichzeitig mit dem Trainer durchzuführen.

 

Video-Aufzeichnungen
Aufzeichnungen eignen sich, um Inhalte jederzeit abrufen zu können und einer breiten Zielgruppe zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile kann man mit relativ preisgünstiger Software und wenig technischen Aufwand professionelle Videos in Studioqualität erstellen oder nachbearbeiten. Nachteil der Video-Aufzeichnung ist die fehlende Interaktivität. Videos müssen kurz und gut strukturiert sein, da die Aufmerksamkeitskurve der Zuschauer andernfalls rasch abnimmt.

Digital personal Coaching
Digital personal Coaching ist unserer Meinung nach die ideale Methode, Mitarbeiter gezielt bei aktuellen Fragestellungen zu unterstützen. Bestehende Kenntnisse können vertieft und praxisbezogene Aufgabenstellungen begleitend gelöst werden. Der digital Coach nutzt digitale Medien wie Teams oder Skype, um den Lernenden im direkten Dialog konkret bei der Lösung einer Aufgabe zu unterstützen. 

 

Anwender-Helpdesk
Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die Einem zum erfolgreichen Abschluss einer Aufgabe fehlen.
Die richtige Plattform ermöglicht es, intern Kollegen Hilfestellung zu geben, oder externe Experten zu Rat zu ziehen. So entsteht auf einfache Art und Weise eine Wissensplattform und ein lernendes Unternehmen.

 

Was ist Ihr Fazit?
Aus meiner mittlerweile 25-jährigen analogen und digitalen Trainingserfahrung heraus ist der Trend in der Weiterbildung vergleichbar mit der Entwicklung in der Unterhaltungsindustrie. Spielfilme haben in Hollywood ausgedient und Serien sind in. Die aktuelle Situation treibt diesen Trend gerade schnell voran.

Die digitalen Technologien bieten uns unter der Voraussetzung des richtigen Einsatzes die optimale Möglichkeit, Wissenstransfer und Lernen mit innovativen Methoden zu verbinden. 
Webinare sind eine, aber nicht die einzige mögliche Form des Wissenstransfers. Es ist ein Mix aus Videos, Webinaren, digital personal Coaching und Service-Desk Unterstützung, mit dem Wissen erfolgreich erworben wird. In Zukunft werden Classroom Trainings vielleicht ebenso wieder möglich sein, aber der verstärkte Einsatz von digitalen Lernformen wird auch nach Corona bestehen bleiben.

Das wichtigste für Lehrende & Lernende ist aber immer die BE-GEIST-ERUNG für das Thema.
Die richtige Technik kann den Spaß am Lernen entscheidend unterstützen.

Sage es mir, und ich werde es vergessen.
Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten.
Lass es mich tun, und ich werde es können.

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